Folge 027 – „Das Licht der letzten Tage“ & Fußball-Intellektuelle

Benjamin redet über postapokalyptische Fiction im Allgemeinen und den Roman „Das Licht der letzten Tage“ von Emily St. John Mandel im Speziellen. Fußball-Noob Markus spricht (ab 1:00:00) über Fußballkultur und intellektuelle Fußballfans.

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3 Gedanken zu “Folge 027 – „Das Licht der letzten Tage“ & Fußball-Intellektuelle

  1. Tach,
    wirklich anregend, wenn Fußball-Outsider sich zu diesem Sport äußern. Ein paar Ergänzungen:
    – ich habe selbst Jahrzehnte im Wissenschaftszirkus mitgemacht und man hat ziemlich schnell mitbekommen (abends auf den Tagungen bei Bier/Wein), dass dieser VfL-Fan, jener der Eintracht nahe steht oder andere dem BVB oder der Hertha; Fußball hat etwas ungemein Verbindendes
    – wenn Ihr diesen Männlickeits-Button schon dem Fußball anheftet, wie würdet Ihr dann Eishockey mit den regulären Bodychecks einstufen? Hypermaskulinität?; ich meine Messi, der vielleicht beste Fußballer ever, ist 1,69 und hat 67 kg …
    – dadurch, dass so wenig Tore fallen, spielt der Zufall, (oder, wenn man so will – das Schicksal) eine sehr große Rolle (Innenpfosten oder Außenpfosten, springt der Ball zum eigenen oder zum Gegenspieler usw.); dadurch ist es möglich, dass, wie in den Pokalwettbewerben jede Saison zu beobachten ist, ein Drittligist einen Erstligisten aus dem Wettbewerb wirft, was in anderen Sportarten nahezu ausgeschlossen ist; auch bei den großen Turnieren gewinnt die beste Manschaft eher selten; Fußball ist daher immer irgendwie sportlicher Wettbewerb mit einem gehörigen Schuß ‚griechischer Tragödie‘; nur im Fußball (?) kann der Underdog den Favoriten so häufig besiegen (Bayern holt den Weltpokal und wird kurz darauf von St. Pauli (2. Liga) besiegt, St. Pauli druckt T-Shirts „Weltpokalsiegerbesieger“, Legenden entstehen …)
    –> wenn ihr den Fußball als Spiegel der Gesellschaft betrachtet und feststellt, dass dies früher ein Unterschichtensport war (eben weil der Underdog den Favoriten häufiger besiegen kann als in anderen Sportarten), was sicher richtig ist, dann aber konstatiert, dass sich das Phänomen ‚Fußballfieber‘ sozusagen in der gesellschaftlichen Formation hochgearbeitet hat, also heutzutage in nahezu allen Schichten verbreitet ist, was sagt uns das über die Dynamik in unserer Gesellschaft?; gibt es vielleicht einen Zusammenhang zum Absturz der sogenannten Mittelschicht, die eine Identifikation mit dem Underdog erst ermöglicht?

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  2. Hallo Ihr beiden,

    schöne Folge. In Sachen Post-Apokalypse waren ja einige Inspirationen mit dabei, die ich mir auf meine noch-zu-lesen-Liste packen konnte, danke dafür.:)

    Zum Thema Fußball als intellektuelles Phänomen: Lässt man das ganze ekelhafte Drumherum weg, also der Kommerz, die Gewalt, der (dadurch begünstigte) Chauvinismus und Nationalismus usw., bleibt es halt einfach ein tolles Spiel, dem sich vermutlich auch daher viele Intellektuelle nicht verschließen können. Es hat, wie Benjamin es ja auch schon erwähnte, eine gewisse Anziehungskraft, die sich besonders im Kollektiv beim gemeinsamen schauen zeigt. Ich gehöre übrigens auch zu den EM/WM-Touristen. 🙂
    Vielleicht kann man die Fußball-Werke der Historiker und Soziologen auch einfach als eine Art Versuch sehen, um den Sport aus seiner Schmuddelecke mit den oben genannten Problemen herauszuführen. Interessant wäre auch die Motivation zu wissen. Vielleicht dienen diese Werke auch als Rechtfertigung für deren Arbeits- und Bekanntenkreis. Unter dem Motto: »Seht her, dass ist kein dummer, sinnloser Zeitvertreib sondern echte Wissenschaft!« 🙂

    Zum Thema Fußball und Homophobie: Ich denke, dass der Fußball auch hier wieder nur ein Spiegelbild der Gesellschaft mit seinem (übertriebenen) Männlichkeitsbild(wahn?) ist. Es herrscht eben immer noch das Bild vom vermeintlich schwachen Schwulen, der einfach nicht so gut und so hart spielen kann, wie sein heterosexuelles Pendant. Daher halte ich das Thema schon für sehr wichtig, da es ein Zeichen von Fortschritt sein kann (ich mutmaße hier), wenn es offen schwule Spieler gibt. Am besten noch erfolgreich, damit diese alte Mär von Schwäche endlich ausgeräumt wird.
    Wie es übrigens anders gehen kann, sieht man im Frauenfußball (da wäre das beliebte Genderthema gewesen! 😉 ). Dort gibt es viele, offen lesbisch lebende Spielerinnen und niemanden interessiert es. Was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass Frauenfußballspiele weniger von Männern und mehr von Familien frequentiert und gesehen werden. Oder – und ich befürchte dass ist der Hauptgrund – dass auch hier wieder Frauen eine gewisse Geringschätzigkeit erfahren.

    Gruß, Jakob

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